Frank Cramer | Interview
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FRANK CRAMER ÜBER DEN NATÜRLICHEN
FLUSS DER INTERPRETATION


Interview mit Gli Amici della Musica (Okt. 07) von Maria Dell

Maestro Cramer traf ich an der Semperoper in Dresden, wo er
im Mai 2008 mit Mozarts Zauberflöte debütieren wird. In Italien
dirigiert er seit vielen Jahren immer wieder mit grossem Erfolg
bei Publikum und Kritik. Frank Cramer spricht nicht sehr gerne
über sich selbst, aber so bald das Eis gebrochen ist, schenkt er
mir ein Lächeln und wir beginnen das Interview.

Wann und wie begann Ihre Tätigkeit als Dirigent? Sie sind sicher-
lich nicht an einem Morgen aufgewacht und haben sich gesagt,
nun will ich dirigieren ... gab es besondere Erfahrungen, die Sie
zu dieser Entscheidung gebracht haben, wurden sie irgendwie
von ihrer Familie beeinflusst oder von anderen Menschen, die
Sie geprägt haben?


Als Fünfjähriger habe ich begonnen Klavier zu spielen. Meine
Familie hat meine Begeisterung für Musik gefördert, mich aber
nie zu irgendetwas gedrängt. Väterlicherseits bin ich mit Jacques
Offenbach verwandt, hatte aber damals nicht einmal eine Ahnung,
wer das überhaupt ist. Mit vierzehn Jahren ging ich auf ein
Musisches Gymnasium und war gleichzeitig schon Jungstudent
in den Fächern Klavier und Trompete an der Folkwang Hoch-
schule Essen. Ich war ein sehr guter Pianist und Trompeter, aber
insgeheim hatte mich der Beruf des Dirigenten schon damals
fasziniert. Wenn möglich, ging ich in jedes Konzert. So ist der
Wunsch, Dirigieren zu studieren langsam gewachsen. In einem
Jugendkonzert der Essener Philharmoniker war The Unanswered
Question
von Charles Ives auf dem Programm, dieses wunder-
bar kleine Werk, in dem die Trompete aus der Ferne immer
wieder die selbe Frage nach dem Sinn des Lebens stellt.
Für diesen Solopart der Trompete wurde ich - damals 16 jährig
engagiert. So lernte ich den Dirigenten des Konzertes kennen,
und er wurde mein erster Dirigierlehrer...

Sie haben eine lange und solide Karriere hinter sich und ein nicht
nur breites sonder auch bemerkenswertes Repertoire. Wollen Sie
uns über die Grundstationen Ihrer Laufbahn erzählen?


Nach meinem Studium in Hamburg - prägend war für mich mein
Lehrer Horst Stein - habe ich zunächst die klassische deutsche
Dirigentenlaufbahn begonnen, und zwölf Jahre im festen En-
gagement an verschiedenen Theatern in Deutschland und Öster-
reich gearbeitet. In dieser Zeit habe ich den Beruf gewisser-
maßen von der Pike auf gelernt, und mir vor allem ein umfang-
reiches Opernrepertoire erarbeitet. Seit meinem erfolgreichen
Einspringen mit Aida im Sferisterio di Macerata 1989 arbeite ich
als Gastdirigent in Europa, den USA, Ostasien und Südafrika,
und habe eine Vielzahl von Konzerten mit Werken aus allen
Bereichen des symphonischen Repertoires dirigiert. Inzwischen
dokumentieren zahlreiche Rundfunk- Fernseh- und CD-
Aufnahmen u.a. mit den Bamberger Symphonikern meine
künstlerische Arbeit. Daneben unterrichte ich Orchesterdirigieren
an der Musikhochschule Karlsruhe.

Wir haben einen Blick auf Ihre nächsten Termine geworfen,
Konzerte in Seoul und in Jena, dann auch im Münchner
Prinzregententheater mit dem Münchner Rundfunkorchester.
Können Sie etwas zu den Programmen sagen?


Das größte und anspruchsvollste Werk der Programme sind
Rachmaninows Sinfonische Tänze op. 45. Es ist seine letzte
Komposition geschrieben 1940, drei Jahre vor seinem Tod.
Rachmaninow bezieht sich hier in vielen Momenten auf seine
früheren Kompositionen, wie ein Rückblick auf das eigene ver-
gangene Leben. Es ist eine äußerst farbenreiche Musik, nach-
denklich und wehmütig, aber auch voller rhythmischer Vitalität,
schwierig und komplex, und nicht oft zu hören. Zuvor spielen
wir die Sinfonie Nr.101 Die Uhr von Haydn, und das Oboen-
konzert von Mozart. Bereits im letzten Jahr habe ich mit dem
Korean Symphony Orchestra zusammengearbeitet, und wir
haben Die Seejungfrau von Alexander Zemlinsky in einem
Konzert mit Aufzeichnung durch das Koreanische Fernsehen
aufgeführt. Das war eine außerordentlich gute Zusammenarbeit
und ein riesengroßer Erfolg, so freue ich mich sehr auf ein
Wiedersehen mit diesem wunderbaren Orchester! Es ist natürlich
auch sehr reizvoll, dann gleich anschließend in Deutschland mit
der Jenaer Philharmonie Rachmaninows Sinfonische Tänze
noch einmal zu dirigieren. In diesem Programm spielen wir zuvor
die Psycho-Suite von Bernard Herrmann und das Violinkonzert
von Korngold, also alles selten gespielte Werke. Im Prinz-
regententheater dirigiere ich das Münchner Rundfunkorchester
mit Werken von Rossini, Mozart, Rosetti, R. Strauss, Egk und
Gershwin. Ein Programm, das hohe Flexibilität und stilistische
Sicherheit sowohl vom Dirigenten als auch vom Orchester
verlangt. Das Konzert wird live übertragen - das macht es
besonders spannend.

Wie bereitet sich ein Dirigent für ein Konzert oder für eine Oper
vor? Welche Ziele setzen Sie sich?


Mein Anspruch ist es immer, der Intention des Komponisten so
nahe wie irgend möglich zu kommen. Ich bin da ganz altmodisch,
und sehe das als die beste und vornehmste Pflicht eines Inter-
preten an. Meine eigene Persönlichkeit fließt ohnehin ganz ohne
mein Zutun in meine Interpretation hinein. Ich studiere die Partitur
sehr, sehr gründlich. Darüber hinaus möchte ich die Bedeutung
des Werkes bei seiner Entstehung verstehen, also beschäftige
ich mich mit dem gesamtem zeitgeschichtlichen Umfeld der
Komposition, anderen Werken des Komponisten, etc. Wenn ich
vor ein Orchester trete, tritt diese intellektuelle Auseinander-
setzung ganz zurück, und die Komposition ist zuvor bereits ein
Teil von mir geworden. So entsteht ein natürlicher Fluss, eine
Selbstverständlichkeit der Interpretation...

Diese Frage haben Sie sicher oft gehört ... Dirigieren Sie lieber
ein Konzert oder eine Oper? Gewiss ist die Oper anspruchsvoller,
oder irre ich mich?


Ich habe da keine Präferenz. Eine Oper zu dirigieren ist im hand-
werklichen Sinne anspruchsvoller. Die Koordination mit der
Bühne, das Eingehen auf die Besonderheiten der Sänger/innen,
des Chores, eventuell große Entfernungen. Auf der anderen Seite
hilft die Szene auch, als Operndirigent ist man eben nie allein.
Hat man das Glück, mit wunderbaren Solisten/innen zu arbeiten,
und handelt es sich noch um eine gute und in sich überzeugende
Inszenierung, geht alles wie von allein. Im Konzert ist man ganz
und gar allein verantwortlich. Da ist nur die Musik, das Orchester
und man selbst. Das ist auf andere Weise anspruchsvoll und
wunderbar.

Welche sind die Stärken Ihres Repertoires?

Entscheidend ist für mich die Qualität der Musik, eine
Spezialisierung hat mich nie interessiert. Im Konzert sind meine
bevorzugten Komponisten Mozart, Beethoven, Schubert, Brahms,
Bruckner und Mahler. Genauso leidenschaftlich und in den letzten
Jahren immer häufiger engagiere ich mich aber auch für Kompo-
nisten abseits des gängigen Repertoires wie z.B. die Spät-
romantiker Zemlinsky, Korngold, Stephan und Nielsen oder
Komponisten wie Messiaen, Lutoslawski, Schönberg und
Webern. In der Oper dirigiere ich besonders gerne Mozart,Verdi,
Puccini, Wagner und Strauss. Als Pianist spiele ich am liebsten
Bach.

Sie haben viel in Italien dirigiert. Man sagt, unsere Orchester
seien undisziplinierter als jene anderer Länder. Haben Sie sich
jemals anstrengen müssen, um sich vor dem italienischen
Orchester Respekt zu verschaffen?


Im Gegenteil. Ich habe immer ausgesprochen gerne mit
italienischen Orchestern gearbeitet. Egal ob in Turin, Verona,
Genua, Florenz, Cagliari,Trieste oder Udine, um nur einige zu
nennen. Was die italienischen Orchester für mich so besonders
macht, ist ihre wunderbare Mischung aus hoher Professionalität
und Emotion. Hinzu kommen Humor und eine angenehme
Leichtigkeit in der Kommunikation, da macht die Arbeit einfach
Freude!

Welche Eigenschaften Ihrer Arbeit passen am besten zu den
Eigenschaften Ihrer Persönlichkeit?


Klarheit, Ernsthaftigkeit, Leidenschaft, Offenheit, Konsequenz
und Humor

...Ein Wunsch für die Zukunft und eine immer anwesende
Leidenschaft


Gesundheit und Liebe



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